Es war einmal

Die Geschichte des Dieskauer Parks

Die Reideaue bei Dieskau wurde bereits in vorchristlicher Zeit von slawischen Stämmen besiedelt. Um 880 nach Christus geht das Gebiet in deutschen Besitz über. 1121 wird Thzyigoe (Eibenaue) erstmalig urkundlich erwähnt. Ende des 12. Jahrhunderts entsteht die Adelsfamilie ‚von Dieskau‘, und regiert die Gegend, bis sie 1744 ausstirbt. In dieser Zeit werden die Kirche St. Anna (13. Jh, wiedererrichtet 1728), das Schloss und die Mühle samt Mühlgraben (beide 16. Jh) errichtet.

Nach dem Aussterben der von Dieskaus kaufte Familie von Alburg die Dieskauer Güter. 1770 heiratete die Tochter Johanna Auguste Therese von Lüder in zweiter Ehe Carl Christoph von Hoffmann (1735-1801), Kammerdirektor und Kanzler der Universität Halle. 1778 begann dieser das weitgehend baumlose und sumpfige Gelände in einen Park umzuwandeln. Dabei orientierte sich von Hoffmann an der Konzeption des gerade in Mode gekommenen englischen Landschaftsgartens bzw. dessen Weiterentwicklung in den Wörlitzer Anlagen und holte sich Rat und Hilfe bei Fürst Franz von Anhalt-Dessau. Dieser schickte ihm den sehr talentierten, erst 20 Jahre alten Johann Georg Gottlieb Schoch (1758-1826) als Landschaftsgärtner. Bei der Gestaltung des Parks im englischen Stil bezog Schoch von vornherein die vorhandene Reide-Aue mit ein. Neben einem verschlungenen Wegenetz entstand ein durch die Reide gespeistes System von Gräben und Kanälen, über die hölzerne Brücken führten.

Die Ost- und Nordseite des Parks bepflanzte Schoch mit ausgesuchten, teilweise in Deutschland nicht heimischen Baumarten. Es wurden mehrere kleine Bauwerke, u. a. das Chinesische Teehäuschen, das Otahitische Badehäuschen und unmittelbar am Schloss eine Orangerie, aber auch einige Stelen, Gedenksteine, Lauben und Volieren errichtet. Die Anlage wurde so gestaltet, dass das Schloss, der Große Mühlteich und die interessantesten Punkte im Park über ein System von Sichtachsen miteinander verbunden waren. Mitten im Großen Mühlteich entstand ein Chinesisches Wasserhaus, das über eine Fähre erreicht werden konnte. Außerdem bereicherten Rondelle und Blumenbeete den Park. Um 1784 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Einer der frühen deutschen Landschaftsgärten im englischen Stil war entstanden.

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Historische Postkarte mit (nicht mehr existierendem) Schwanenhäuschen auf Großem Mühlteich

Nachdem von Hoffmann kinderlos gestorben war und auch der Neffe Carl August Dieskau Mitte des 19. Jahrhunderts verlassen hatte, übernahm die Familie von Bülow 1854 das Gut mit Schloss und Park und sicherte die Pflege des Parks bis zur Enteignung 1945 in wesentlichen Bereichen ab.

Anschließend geht der Park in Staatsbesitz über. Schloss und Großer Mühlteich werden intensiv genutzt. Im Pleasure Ground wird zeitweise Gemüse angebaut. Eine geregelte Pflege der Anlagen findet jedoch nicht mehr statt. Sporadische Arbeitseinsätze können die zunehmende Verwilderung nicht aufhalten.

Erst nach der Wende finden wieder verstärkt Maßnahmen zur Wiederherstellung des Parks statt. Durch ABM-Maßnahmen werden Wege saniert, Totholz entfernt und der Mühlgraben bereinigt. Am 23. 06. 1999 wird der Förderverein „Park Dieskau“ e.V. gegründet. In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kabelsketal und vielen Sponsoren findet seitdem eine schrittweise Wiederherstellung der Parkanlagen statt.