Der Lyrische Baumkreis

Das Poesiealbum des Parks

Dichterkreis

Aus der Blütezeit des Parks Dieskau am Ende des 18. Jahrhunderts ist ein „Lyrischer Baumkreis“ am Ufer des Großen Mühlteichs überliefert. Dort fand man, an den Baumstämmen befestigt, Tafeln mit kurzen Gedichten vor, geschrieben in der damals aktuellen literarischen Mode der Empfindsamkeit und ganz dem Freundschaftskult gewidmet. Die Texte dieser in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache verfassten Gedichte finden sich in einer ausführlichen Parkbeschreibung aus dem Jahr 1797. Darauf konnte der Förderverein des Parks zurückgreifen, als er im Jahr 2012 den Lyrischen Baumkreis wieder erlebbar machen wollte. Heute finden sich im Baumbestand am Teichufer (nahe der Vater-Hoffmann-Vase) wieder einige Gedichttafeln, die die historischen Texte wiedergeben. An die Stelle der für das 18. Jahrhundert beschriebenen Rasenbank in der Mitte des Baumkreises ist eine Rundbank aus Stahl und Holz getreten, die den großzügigen Spenden einiger Freunde des Parks und den geschickten Händen Bruckdorfer, Zwintschönaer und Dieskauer Handwerker zu verdanken ist.

DichterkreisTafel

 

Historisch überlieferte Gedichttexte:

Long may You live, happy may You be bless’d with content, from Missfortune free.(Beglückt sollst Du, und lange leben; Zufriedenheit soll Dich umschweben!)

Kein Thal umschließt die Freundschaft, keine Hügel versperren sie; kein Meer braust unbeschiffbar vor ihr her: Sie hat, wie Amor, zum Verfolgen Flügel, doch nicht zum Flattern, so wie er.

Sans l’amitié, sans sa douceur la vie, helas! est importune. Que fait le rang et la fortune! Ah! l’on n’est rien que par le coeur! (Nein! wer nicht süße Freundschaft ehrt, den muß nur drücken dieses Leben. Was kann uns Rang, was Reichthum geben? Ah! nur das Herz macht unsern Werth!

Couple cheri, qui dans ces lieux tranquilles, loin du vertige de nos villes, savourez a longs traits le plaisir d’être heureux; de ma tendre amitié réalisez les voeux, le jouissez  de ce bonheur du sage jus’que au terme du plus long âge. (Geliebtes Paar, das hier in stillen Thälern, vom Hofe fern und seinen Fehlern, das Glück, vergnügt zu seyn, in langen Zügen schmeckt, erfüllt den Wunsch, wozu die Freundschaft mich erweckt genießet diese Glück des Weisen noch immer, wenn auch schon die Haare längst euch greisen.)

Advertisements